1.000 Frauen für den Frieden

Biographien + Porträts der Friedensnobelpreisnominierten im Internet

31.03.2008 Ulrike M. Dierkes

2005 wurden 1.000 Frauen aus 150 Ländern zum Friedensnobelpreis nominiert. Ihre Porträts stehen nun in deutscher Sprache abrufbar im Internet.

Wissen Sie, welche 1.000 Frauen 2005 zum Friedensnobelpreis nominiert waren? Schonmal etwas gehört oder gelesen von Sr. Lea Ackermann und Solwodi e.V.? Oder welche Arbeit die "Lobby für Menschenrechte e.V." leistet? Oder wer Cathrin Schauer von KARO e.V. ist?

Im Januar 2005 wurden insgesamt 199 Bewerbungen um den Friedensnobelpreis angenommen. Darunter auch die der Initiative "1.000 Frauen für den Friedensnobelpreis", die 1.000 Frauen aus über 150 Ländern für den Friedensnobelpreis nominierte.

Diese 1.000 Biographien und Foto-Porträts der nominierten Frauen erschienen zunächst in dem englischsprachigen Print-Nachschlagewerk "1000 Peace Women Across the Globe" auf je einer Doppelseite mit einem ganzseitigen Porträtfoto, Biographie, Leistungen, Werke und Wirken ihrer jeweiligen Aktivitäten und gegründeten Einrichtungen.

Es entstand ein Nachschlagewerk nicht nur für alle juristischen, karitativen, kirchlichen und sozialen Einrichtungen, sondern auch interessierte Laien, die sich für die Auszeichnungen, Biographien und Lebenswege ungewöhnlich engagierter Frauen interessieren. Der Wälzer ist bisher wohl einer der umfassendsten internationalen Werke zum Themenbereich "Frieden und Menschenrechte in der ganzen Welt".

Die weltweit begehrte Auflage neigt sich allmählich dem Ende zu. Aber keine Angst, dass Sie von den 1.000 Frauen nichts mehr hören oder lesen werden.

1.000 Biografien und Porträts jetzt abrufbar im Internet

Die Initiative "FrauenNetzwerk für Frieden" hat dafür gesorgt, dass die 1.000 Biographien und Fotoporträts für jedermann ab sofort einzeln und wahlweise nach Bereich, Land oder Namen geordnet abrufbar und ausdruckbar sind. Sie können blättern und lesen. Die Verschlagwortung reicht von "Versöhnung und Wiederaufbau", "Gewalt gegen Frauen", "Gesundheit", "Umwelt", "Wirtschaftliche Rechte und Lebensunterhalt", "Politik und Regierungsführung", "Justiz", "Bildung", "Kulturelles Verständnis" bis "Minderheiten und indigene Völker".

"Die sprachliche Umsetzung der Idee gestaltete sich als außerordentlich schwierig", schreibt die Koordinatorin Heide Schütz auf der Website, "denn um einen Sachverhalt auszudrücken, braucht die deutsche Sprache zum Beispiel mehr Zeichen als die englische. Die zulässige Anzahl der Zeichen war jedoch begrenzt, denn es sollte eine Fassung erstellt werden, die im gleichen Format angelegt war wie die englische Buchfassung. Außerdem galt als oberstes - selbstverfügtes - Gebot der Initiatorinnen, dass die deutsche Version in einer geschlechtergerechten Sprache erstellt werden sollte!".

Dass es also gelang, dieses Internet-Projekt zu realisieren, ist dem wesentlichen Einsatz und der Tatkraft von Frauen zu verdanken.

Zum Projekt und seine Entwicklung

1.000 Frauen wurden für den Friedensnobelpreis nominiert: Sie wurden – stellvertretend für Hunderttausende - ausgewählt. Frauen, die sich weltweit gegen Armut, Gewalt, Krieg und für mehr menschliche Sicherheit und Gerechtigkeit einsetzen. Frauen, die aufbauen, was durch Krieg zerstört wurde, in Konflikten mit verfeindeten Gruppen vermitteln, Menschenrechte einfordern, sich gegen jeden Missbrauch von Kindern stellen. Frauen, die alternative Einkommensmöglichkeiten schaffen, HIV-Patienten begleiten und für deren Kinder sorgen. Ihre 1.000 Namen wurden an 40 Orten der Erde zeitgleich bekannt gegeben.

Dann erfolgte die endgültige Bekanntgabe: Der Friedensnobelpreis ging an die Internationale Atomenergiebehörde IAEA und ihren Direktor Mohamed El Baradei.

Dies wollte das Nobel-Komitee sehr wahrscheinlich nicht so verstanden wissen, dass die aufgebrachte Energie, die Leistung und die Wirksamkeit der Engagements von 1.000 Frauen etwa nichts wert sei, aber in der Begründung hiess es: "In einer Zeit, in der die Bedrohung durch Atomwaffen wieder einmal wächst, will das norwegische Nobelkomitee die Tatsache unterstreichen, dass dieser Bedrohung durch eine möglichst breite Zusammenarbeit begegnet werden muss."

Wäre das Preisgeld von rund 1,2 Millionen US-Dollar an die Initiative "1.000 Frauen für den Friedensnobelpreis“ gegangen, wäre das Geld auf diesem Wege der Friedensbewegung selbst, nämlich Menschen, Frauen, Männern und Kindern in aller Welt zugute gekommen. Gegen jede Form von Krieg und Ungerechtigkeit.

Eine große Chance hätte unter anderem auch darin bestanden, an Bertha von Suttner, Schriftstellerin und Pazifistin zu erinnern, die 1905 als erste Frau den von ihr angeregten Friedensnobelpreis erhielt und 1889 großen Erfolg mit ihrem Antikriegsroman „Die Waffen nieder!“ hatte. Schon ein Jahr nach Erscheinen wurde er zum zweiten Mal aufgelegt und in verschiedene Sprachen übersetzt. Ein Aufschrei und Protest ging nicht nur durch die Bundesrepublik Deutschland. Seit der ersten Verleihung des Preises 1901 hatten erst zwölf Frauen den Friedensnobelpreis erhalten.

BUND, Bund für Natur- und Umweltschutz Deutschland protestierten

in einer Presseerklärung gegen die Schizophrenie der IAEO - und wohl auch diese Entscheidung des Nobel-Komitees -, einer solchen Einrichtung einen Friedensnobelpreis zu verleihen, die „einerseits die militärische Nutzung der Atomkraft verhindern soll, andererseits aber als UNO-Organisation deren indirekte Weiterverbreitung durch den Ausbau der Kernkraft in zusätzlichen Ländern praktiziert“.

137 Bürgerinitiativen, Gruppen und Verbände, sowie 251 Privatpersonen aus der ganzen Welt unterschrieben das Protestschreiben an das Nobel-Komitee. Darunter, um an dieser Stelle nur einige aufzuführen: Bündnis 90/Die Grünen, Die NaturFreunde, NABU, IPPNW – Internatio-nale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Deutsche Friedensgesellschaft, Hilfe für die Kinder von Tschernobyl und sehr viele mehr.

Das Buch "1000 PeaceWomen Across the Globe" setzte mit Porträts der 1.000 Friedensfrauen ein Denkmal gegen das Vergessen. Im Oktober wurde die Ausstellung "1000 PeaceWomen Across the Globe" erstmals in Zürich gezeigt. Der Erfolg war überwältigend.

Aus Deutschland sind Barbara Gladysch von Mothers for Peace , Monika Gerstendörfer von Lobby für Menschenrechte e. V., Bosiljka Schedlich von Southeast European Cultural Center Berlin, Karla Schefter von Chak-e-Wardak-Hospital Committee for the Promotion of Medical and Humanitarian Aid to Afghanistan, Monika Hauser von Medica Mondiale, Maria Christina Färber von Caritas International Spiritual Community, Karla-Maria Schälike von Children's Center Nadjeschda , Ruth Weiss, Heide Göttner-Abendroth von International Academy Hagia, Sabriye Tenberken von Braille Without Borders (BWB) Tibet Disabled Persons' Federation, Marianne Grosspietsch von Shanti Sewa Griha Shanti Leprahilfe Dortmund e.V, Seyran Ates, Lea Ackermann, Solidarity with Women in Distress (Solwodi), Solidarity with Girls in Distress (Solgidi), Missionary Sisters of Our Lady of Africa, Cathrin Schauer, Karo e.V. Judith Brand Amica e.V. Iropé e.V. mit je einem Foto-Porträt vertreten.

1000 PeaceWomen Across the Globe

Infos zum Buch: SCALO Verlag, Schweiz, 2208 Seiten, ca. 800 Fotografien in Schwarzweiss, Hardcover, 19 x 12,5 cm, Preis: CHF 58,00, Euro 39,00, 45,00 US-Dollar, GBP 24,95 plus Versandkostenanteil

oder einfach im Internet:

http://buchdeutsch.1000peacewomen.org/index.php

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Auch im Internet: 1000 Frauen für den Frieden, Scalo Auch im Internet: 1000 Frauen für den Frieden
Sr. Lea Ackermann - Solwodi e.V. -, Solwodi e.V. Sr. Lea Ackermann - Solwodi e.V. -
Dipl. Psych. Monika Gerstendörfer, privat Dipl. Psych. Monika Gerstendörfer
Dr. Monika Hauser, Ärztin -medica mondiale e.V.- , medica mondiale e.V. Dr. Monika Hauser, Ärztin -medica mondiale e.V.-
Frauen-Gruppenfoto einer der Veranstaltungen, Solwodi e.V. Frauen-Gruppenfoto einer der Veranstaltungen